Chiron



Ich bin verletzter Heiler. Ich bin alles in dir. Du bist alles in mir. Meine Urverletzung kann ich nicht selbst heilen. Heilung liegt im Menschen selbst. In dir und im anderen.

In der wahrhaftigen Begegnung geschieht Ganzwerden und Wachstum.

Heilung geschieht auf Augenhöhe. Nah und berührbar. In der Stille des Augenblicks zwischen dir und mir.



Chiron, der Kentaur der griechischen Mythologie lebt im Herzen meiner Arbeit. Er ist mir Polarstern, gütiger Lehrer und die innere Stimme, die mich sicher führt. Er legt die Hand auf meine Wunde und berührt mich dort, wo es schmerzt. Er trägt mich über die Grenzen dieses Schmerzes hinaus. Weise, liebevoll und klar.

Chiron ist Symbol der Verbindung unserer animalischen wilden Instinkte mit all unseren Sinnen im Einfühlungsvermögen für uns selbst und andere. Dieses Pferdewesen nutzt seine göttliche Kraft, um scheinbar Gegensätzliches zu zähmen und zu vereinen. Chiron lebt radikale Akzeptanz und tiefe Anteilnahme an allem Lebendigen und sprengt darin die Grenzen dessen, was wir uns vorstellen können. Wie Chiron stelle ich achtsam bisherige Konzepte, Theorien und Perspektiven auf unsere „HeilerWelt“ in Frage. Ich enttarne Illusionen und Glaubenssätze darüber, was recht und möglich ist und eröffne darin jedem Menschen seinen schöpferischen Freiraum.

Chiron ist ein Symbol für uns Menschen, wie wir unter scheinbar unheilbaren Traumatisierungen leiden und vor diesem Urschmerz davonlaufen. Er konfrontiert uns mit allen ungeliebten Anteilen, die wir lieber in der Dunkelheit verstecken wollen. Immer wieder holt er uns ein, um uns das Geschenk der Heilung und des inneren Friedens anzubieten. Chiron bietet seinen Schlüssel an, um uns die Verbindung von Körper und Seele wieder zu ermöglichen. Er ist die Brücke zwischen Bewusstem und Unbewusstem, um uns wieder an die heile Quelle und die unantastbare Würde in uns anzuschließen.

Chiron ist ein Heiler und Lehrer. Vor allem in der Lehre ist es mir wichtig, dass in uns Therapeuten eine tiefe Bewusstheit über die eigene Verletzung und Urwunde besteht. Wir dienen der Heilung und den Menschen. Darin tragen wir Verantwortung. Ich lehre, dieser Verantwortung gerecht zu werden. Indem wir uns unserem tiefsten Schmerz stellen, erfahren wir, wie sich aus einer vermeintlichen Schwäche immenses Potential und unendliche Kraft entfalten kann und ermöglichen darin Heilung für andere. Chiron konnte sich selbst nicht von seiner Verletzung heilen, die ihm sein Freund Herakles beigebracht hatte. Es brauchte das Opfer seiner Unsterblichkeit, das Opfer seiner Ohnmacht und seiner unverwundbaren Maske für Prometheus, um bewusst und ganz zu werden. Hingabe heilt. Berührung heilt. Jeden von uns. In der Konfrontation mit unserem Schmerz finden wir die Befreiung unserer ureigenen Talente und Fähigkeiten. Dies macht uns heil und lebendig. Stück für Stück. In der Akzeptanz unserer menschlichen Unvollkommenheit finden wir Frieden. Darüber hinaus ermöglicht Chiron in seinem stetigen Dabeiblieben und praktischem Wirken die Erfahrung, Arbeit um ihrer selbst willen zu tun und darin Erfüllung und Glück zu finden.

Jeder Therapeut muss den eigenen Heilungsweg gehen, sich von seinen Wunden und Schmerzen berühren lassen, um berührbar zu sein. Nur so kann in der Auseinandersetzung mit Patienten und Klienten authentische Begegnung und echte Nähe entstehen. Eine Begegnung auf Augenhöhe in Respekt und Wertschätzung. Pur. Der Lehrer lernt vom Schüler und umgekehrt. Nur wenn wir lernen, in unserer vollen Sinnlichkeit in Hingabe an das was ist zu leben, eröffnen wir uns und anderen Heilungsräume. Chiron hat gelernt, seine ungestüme wilde Pferdenatur zu zähmen, das Tier in ihm dient ihm und der Menschheit. Seine Instinkte und Sinne sind seine Verbündeten. Das Bewusstsein um seine eigene Verletzlichkeit schenkt ihm Kraft. So ist auch meine Verletzlichkeit in der Begegnung mit anderen Menschen meine größte Stärke. Ich zeige mich offen und gehe Schritt um Schritt jeden Weg mit dir. In meinem Sein vereine ich Kriegskunst und Heilkunst. Ich bin an deiner Seite. Gehen darfst du selbst. Deinen eigenen Heilungsweg. Und so lernen und leben wir miteinander. Gleich. Ebenwürdig.